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"Mein Großvater, der Täter?" - Lorenz Hemicker zu Besuch am SLG
Montag, 04.05.2026
Nachdem Geschichten über seinen Großvater sein Leben als Kind und vor allem das seines Vaters geprägt hatten, recherchierte Hemicker die Geschichte seines Großvaters, der aus Kierspe stammte und zeitweise die Oberrealschule Gummersbach (einen Vorläufer des Gymnasiums Moltkestraße) besuchte. Während der Zeit des Nationalsozialismus war dieser als SS-Offizier an der Organisation der Ermordung von Juden in Riga beteiligt. Ein zentraler Bezugspunkt ist dabei das Massaker von Rumbula, bei dem über 27.000 Juden ermordet wurden und bei dem Ernst Hemicker als Tiefbauingenieur für die Massengräber verantwortlich war. Von diesem grausamen Ereignis handelte das erste Kapitel, das Hemicker vorlas, nachdem er von Leonie Ising (Q1) begrüßt und vorgestellt worden war. Bevor die anschließende Fragerunde, moderiert von Hermann Menn (Q1), begann, waren Betroffenheit und Entsetzen über die realistischen Schilderungen des Verbrechens in der Aula deutlich spürbar: Mehrere Minuten lang herrschte völlige Stille. Darauf folgte ein weiteres Kapitel, das die Perspektive seines Vaters Peter beleuchtete. Besonders eindrücklich war die Beschreibung eines Gerichtstermins, bei dem dieser erstmals vom Ausmaß der Verbrechen seines eigenen Vaters erfuhr. Die damit einhergehende Belastung prägte das Leben von Peter Hemicker von diesem Zeitpunkt an dauerhaft. Zuletzt las Hemicker einen Abschnitt über seine eigenen Erfahrungen, als er für seine Recherchen erstmals nach Riga bzw. Rumbula reiste – nur kurze Zeit, nachdem sein Vater gestorben war. Er schilderte die emotionalen Eindrücke vor Ort und wie sehr ihn die direkte Konfrontation mit den historischen Schauplätzen geprägt hat. Denn auch wenn er sich nicht schuldig für die Taten seines Großvaters fühlt, empfindet er Verantwortung. Abgeschlossen wurde die Veranstaltung durch eine zweite Fragerunde, in der die anwesenden Schülerinnen und Schüler erneut die Möglichkeit hatten, Details zu hinterfragen. Die Lesung bot den Schülerinnen und Schülern nicht nur einen intensiven Einblick in die Geschichte der Familie Hemicker während und nach der NS-Zeit, sondern verdeutlichte auch die Bedeutung gegen Fremdenhass und Antisemitismus vorzugehen, um zu verhindern, dass sich solche schrecklichen Verbrechen jemals wiederholen. „Ernst ist nur ein Spiegel. Es gab hunderttausende Ernsts. Der Name ist egal“, erklärte Autor Lorenz Hemicker und betonte, wie wichtig es ist, niemals zu schweigen – so alltäglich und unbedeutend eine Situation auch erscheinen mag, denn genau das mache einen Unterschied. Wir schätzen die Möglichkeit, bedeutsame Geschichte hautnah erzählt zu bekommen sehr wert und bedanken uns bei Lorenz Hemicker für seinen Besuch und für die Organisation, Vermittlung und Unterstützung der Schule. |
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